B.2.5 "Avatar der Geisterwelt - Der Weg des Schamanen"
Einen Schamanen nenne ich ein Avatar der Geisterwelt. Jeder Magier und Druide
und viele Priester kennen die Anderwelt, die Welt jenseits des Schleiers, und
können bisweilen mit deren Wesenheiten in Kontakt treten, um deren Dienste in
Anspruch zu nehmen oder ihnen für die Aussicht auf bestimmtes Wissen eine
Zeitlang zu dienen. Der Schamane jedoch ist derjenige, der in der Anderwelt
mehr zu Hause ist als in der Alltagswelt, sein Alltag ist der Kontakt mit den
Geistern. Er benötigt weder Landherrschaft noch Avatar, kann aber auch weder
Erdkraft noch Göttliche Kraft nutzen , und kann magische Effekte höherer
Größenordnung nur dann bewirken, wenn ein oder mehrere Geister anwesend sind.
Diese Geister kann er durch erwiesene Dienste, Manipulation oder Zwang, je
nach Einstellung des Schamanen und Macht der Geister, dazu bringen, ihm
Astralenergie für seine magischen Effekte zur Verfügung zu stellen. Die
gleichen Methoden wendet er an, um neues Wissen von ihnen zu erhalten.
Spezielle Effekte der Sphären Beschwörung und Kontakt ermöglichen es ihm,
seinen Geist in die Anderwelt zu schicken, um mit diesen Geisten zu
kommunizieren, oder sie vorübergehend in seiner eigenen Existenzebene zu
manifestieren.
Die Möglichkeiten, sich Geister dienstbar zu machen, sind zu einem großen
Teil abhängig von der Kultur - ein Schamane ist innerhalb seiner eigenen
Kultur am mächtigsten, denn hier kann er diejenigen Geister anrufen, die ihm
am vertrautesten sind und die am meisten Grund haben, mit dem Schamanen zu
kommunizieren, nämlich die Geister der Ahnen des Stammes, der Region oder des
Reiches. Ein Schamane, der sich an einem heiligen Ort aufhält, der seit
Jahrhunderten ein Zentrum der Ahnenverehrung ist, kann selbst einen sonst
viel mächtigeren Magier, Priester oder Druiden bezwingen. Eine mögliche
Tabelle für die AE-Verfügbarkeit für Schamanen ist in Tabelle 3. Anzumerken
ist, daß Schamanen eher zu Effekten kleinerer Größenordnung tendieren. Aus
diesem Grund ist die verfügbare AE für Schamanen auch geringer als für alle
anderen Magier. Als kleinen Ausgleich benötigen Schamanen wegen ihrer
Spezialisierung nur die Hälfte der AE für alle magischen Effekte der Sphären
Beschwörung und Kontakt. Die Persönliche AE des Schamanen kann interpretiert
werden als die Kraft, die ihm durch persönlich an ihn selbst gebundene
Schutzgeister zugeführt wird. Wie alle anderen Magier verbringt der Schamane
einen Teil seiner Zeit mit dem Auffüllen seines Kraftreservoirs, was sich in
Kommunikation mit Geistern, Manipulation, Meditation, Ritualen und vielen
sonst unverständlichen Dingen ausdrückt, die Geistern eben wichtig sein
mögen. Ebenfalls wie bei anderen Magiers, wird diese Zeit regeltechnisch
nicht erfaßt (das ist nicht nötig), sondern ihre Gestaltung bleibt ganz der
Phantasie des Spielers überlassen..
Einem Schamanen fehlt meist die Hingabe und Unterordnung des Priesters - er
erhält sein Wissen und die Energie von den Geistern auch häufig durch Tricks
und Manipulation. Er benutzt dennoch die Regeln des Priesters für die
Wahrscheinlichkeit, magische Effekte von den Geistern zu erlernen, auch wenn
die Methode verschieden ist. Improvisation und Innovation sind ihm ansonsten
eher fremd - der Schamane fühlt sich geborgen in den bewährten Traditionen
und sieht meist keinen Grund, von ihnen abzuweichen. Deshalb benutzt er auch
in Bezug auf Forschung und Improvisation die Regel für Priester.
Die Werte in Tabelle 3 reflektieren, daß der Schamane innerhalb gleicher oder
verwandter Kultur vorwiegend die Geister der Ahnen, ortsgebundene Geister
oder Geister von Örtlichkeiten der Kultur benutzt, im "Ausland" jedoch
vorwiegend Naturgeister - kein Gebiet ist ganz ohne Geister, außer vielleicht
in Großen Tempeln etablierter Religionen, die regelmäßig eine Geisterjagd
("Exorzismus") in ihren Tempeln vornehmen. Natürlich tritt der Schamane auch
in seinem eigenen Land mit Naturgeistern in Kontakt, bezieht aber
vergleichsweise wenig AE von diesen, da die Ahnen ihm meist freundlicher
gesinnt sind.
Es sei darauf hingewiesen, daß eine einzige Kultur auch in mehreren Reichen
existieren kann - auch dann gibt es den heiligen Ort nur einmal. Eine
gefährliche Pilgerreise zu einem heiligen Ort, der im feindlichen
Nachbarreich liegt, kann etwa einen guten Anlaß für Initiation, Aufstieg oder
Erwerb von Wissen bieten. Verschiedene schamanische Kulturen innerhalb eines
Reiches aber haben nur einen gemeinsamen heiligen Ort - es sei denn, eine
neue Kultur mit bestehendem heiligen Ort wird erobert oder kommt durch
Verhandlungen in den Besitz des Reiches.
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