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4) Wie entsteht eine neue Religion?
Zum Entstehen einer neuen Religion braucht es, sagen Spötter, nur einen
Spinner und etwas Zeit. Sachlicher wäre es zu sagen, daß dazu ein
selbsternannter Priester gehört, ein Prediger, der ein Offenbarungserlebnis
zu erzählen hat und über eine gewisse Überzeugungsgabe und einige Redekunst
verfügt. Oft haben solche Religionsstifter selbst eine Priesterausbildung bei
einer Religion der Alten Götter erhalten, und sich irgendwann mehr oder
weniger freiwillig von dieser getrennt.
Auch um verstorbene Helden und die Stammväter ganzer Völker oder
Orden ranken sich bald schon Legenden, die ihnen den Status eines Halbgottes
zuschreiben, in der Hoffnung, eines Tages werde der Kult andere Religionen an
Macht erreichen - oder daß die Pantheon-Götter den Verstorbenen Helden
aufgrund seiner Heldentaten und der Gebete seiner Anhänger eines Tages in
ihrer Mitte aufnehmen. Ein solches Beispiel ist Fryll, der Gott der Schrate.
Eine solche Religion hat zumeist in ihrer Anfangszeit mehr
Bekehrungserlebnisse als Wunder vorzuweisen, und so greifen ihre Priester
schon mal zu Mitteln der Täuschung oder sagen wir zu verdeckten Hilfsmitteln,
um einen besseren Effekt zu erzielen. (Dasselbe sagt man übrigens von
Priestern, die die Gunst ihrer Gottheit verloren haben.) Es gibt auch
Religionen, die ganz aus der Kraft des Wortes leben und ihre Macht allein in
der Befolgung strikter Glaubensregeln haben (Beispiel: die Arrgh) und damit
zufrieden sind.
Was die Manifestationen von Gottheiten neuer Religionen angeht, deren
Priester eines Tages tatsächlich Wunder vorweisen können, so gibt es dafür
verschiedene Erklärungen. Neben den reinsachlichen, die wie oben die Existenz
der Götter weiter ablehnen, gibt es hauptsächlich zwei Theorien:
Die einen meinen, die bisherigen Wesen/Alten Götter/Religionen
beobachten eine neue Religion solange, bis eine Religion sich angesprochen
fühlt und ihre Macht mit dieser neuen kombiniert, neue Namen und Titel der
bisherigen Liste hinzufügt. Die Gottheit der neuen Religion wird je nach
Ähnlichkeit als neuer Name oder andere Inkarnation der selben Gottheit
angesehen (so hält man etwa in Artakakima auf Karnicon den Beson für eine
Inkarnation Dondras, die ein gewisses Eigenleben entwickelt hat). Es gibt
jedoch auch Kritiker, die sagen, daß es nur die Pantheongläubigen sind, die
sich um diese Zuordnung bemühen, weil sie außerhalb des Pantheons keine
Götter anerkennen wollen, innerhalb aber die Zahl 21 gewahrt bleiben soll.
Die anderen gehen davon aus, daß es auf einer anderen Ebene Geister
oder Schemen gibt, die dann, wenn eine neue Religion entsteht, den Platz der
vorgestellten Gottheit und deren geglaubte Eigenschaften annehmen. Ihnen geht
es, so sagt man, um die magische Macht, die mit der Anbetung durch viele
verbunden ist, und wenn sie in ihrer Form und ihren Zielen doch durch die
Anbetung bestimmt sind, entwickeln sie doch in ihrem Handeln ein Eigenleben.
Es gibt theologische Vorstellungen (über die Entstehung der Dämonen) die mit
dieser Theorie Ähnlichkeit haben.
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